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Gipfeltreffen : Der Berg – Dein Freund & Therapeut

„Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.“ (Søren Kierkegaard, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller, 1813 – 1855)

Die Klientin:

Lächelnd sitze ich mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse des Carl-von-Stahl-Hauses, sehe, wie die Sonne meine Umgebung anblinzelt und den großen noch etwas in weiß verhüllten Schneibstein aufweckt.

Trotz Matratzenlager habe ich so gut wie lange nicht geschlafen, die innere Uhr klingelt um 06.30 Uhr um mich nach draußen zu befördern. Die Sonne strahlt mich an, ich fühle mich wie neugeboren. Es war eine harte Woche, mal wieder. Wenig Schlaf dafür viele Sorgen hatte ich gestern im Gepäck, als wir vom Königssee Richtung Jenner starteten.

Doch nach einer anstrengenden Wanderung sowie einer Nacht auf 1800 Meter inmitten einer atemberaubenden Landschaft scheint mein Sorgenrucksack nahezu leer zu sein, einfach so? Hat der Berg mich therapiert, ohne dass ich es mitbekommen habe?

Der Therapeut:

Oh je, was klettert denn da an mir herauf. Die Kleine wirkt total gestresst, hat 1000 Gedanken im Kopf, aber auch einen Rucksack voller Probleme.

Da hilft nur noch mein 10-Punkte-Plan, das wirkt, ohne das Sie viel merkt:

1. Achtsamkeit statt Multitasking:
Am Anfang ist es noch holprig! Sie denkt an den Job, redet mit Ihrer Schwester. Aber die erste Baumwurzel über die Sie fast stolpert und der steile Anstieg zu mir tun ihr Bestes und nach 30 Minuten ist die Klientin voll in der Achtsamkeit.

2. Akzeptanz statt Toleranz:
Puh, Sie schnauft doch etwas und ich kann Ihre Gedanken lesen. Warum zum Teufel ist das hier so steil, noch 3 Stunden zum Gipfel, aber in 1,5 Std. gibt’s das erste Weißbier. Brav Sie lernt schnell, an meinen 2276 Höhenmetern kann man nichts ändern, die werden akzeptiert. Aber wenn die U-Bahn 5 Minuten zu spät kommt, würde Sie am liebsten die MVG verklagen.

3. Bewegung statt Stillstand:
Es dauert knapp eine Stunde, bis Sie *rund* läuft, Ihr Körper mit allen Muskeln wieder in Einklang ist. Auch bis die Koordination und der Bewegungsablauf von einem gestressten „Büro Huhn“ wieder dem eines freien Huhns gleichen dauert es noch etwas.

4. Natur statt Informationsflut:
Bei mir bekommt Sie einfach Ruhe! Kein Handy, PC, keine Nachbarn, Familie oder nervige Kollegen, die Ihr die Ohren volljammern. Keine Horrornachrichten aus aller Welt, die Sie beunruhigen und Sie selbst doch nicht ändern kann.

5. Zufriedenheit statt Erwartungen:
Nach einer Stunde freut Sie sich über den Schmetterling, der vor ihrer Nase flattert und die Aussicht. Ein unterhaltsames Gespräch bei der ersten Einkehr, lässt Sie komplett den Alltag vergessen. Sie hat nichts erwartet, aber doch viel bekommen.

6. Innerer Frieden statt Energievampire:
Hui, Sie fängt an zu singen, das ist ein gutes Zeichen. Ihre Augen leuchten, jetzt ist Sie endlich mal wieder Sie selbst, der Schutzpanzer ist abgelegt. Keiner gängelt sie von Termin zu Termin, kein Muss-Termin aus Höflichkeit, kein Small-Talk.

7. Innere Kommunikation statt Ratschläge:
Ihr Blitzen in Ihren Augen, lässt mich nochmal Ihre Gedanken lesen. Oh eine super Idee wurde da gerade geboren, ganz ohne „Ratschläge, Informationen, To-do-Listen und ellenlange Vetos des Verstandes. Jetzt arbeiten alle zusammen: Herz & Verstand & Gefühl.

8. Der innere Schweinehund im Training statt Konsum:
Sogar Ihr innerer Schweinehund ist von Ihrer guten Laune so überrascht, dass Er freiwillig mit auf den Berg kommt! Seine Lösungen in Form von „Konsum macht glücklich“ braucht Er gar nicht einzusetzen, es sind keine Amazon & Tchibo Einkäufe nötig.

9. Entspannung statt Stress:
Man sieht Ihr kurz vor dem Gipfel die Leichtigkeit an, obwohl der Weg steil & anstrengend war. Sie wirkt entspannt, der Druck ist weg! Der Druck gefallen zu müssen, perfekt zu sein, etc. Ihr Gang ist geschmeidig, und die letzten Meter zum Gipfelkreuz wirken entschleunigt, der Zeitdruck im Nacken ist völlig verschwunden. Lächelnd sitzt Sie am Gipfelkreuz, die Sorgen hat Sie einfach vergessen.

10. Selbstliebe statt Ablenkung:
Sie ist wirklich glücklich & zufrieden. Sie genießt den Ausblick und den Augenblick wie schon lange nicht mehr. Sie ist zu-friede-n mit sich selbst, endlich spürt Sie wieder dieses Vertrauen ins Leben aber auch die Freiheit so zu sein, wie Sie eigentlich ist.

FAZIT:
Wir haben uns beide so akzeptiert, wie wir sind. Mein spezielles „Bayrisches Yoga“ in Form eines 10 Punkte-Plans ist voll aufgegangen.